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PATRICE
Als Patrice Babatunde Bart-Williams, kurz Patrice genannt, 1998 seine erste, vom Reggae beeinflusste EP "Lions" veröffentlichte, war er gerade mal 18 Jahre jung. Und die Reggae-Renaissance war noch nicht in Sicht. Von jeher hat es der in Kerpen geborene Sohn des afrikanischen Journalisten und Regisseurs Gaston-Bart Williams vermieden, einem musikalischen Trend zu folgen. Stattdessen setzt er Trends.
Seine außergewöhnliche, anklagende, manchmal weinerliche Stimme beeindruckte bereits damals die Ausnahmesängerin wie Rapperin, Lauryn Hill. Auf ihren Wunsch bestritt er das Vorprogramm ihrer Deutschlandtournee. Ohne Band und nur mit Akustikgitarre vermochte der talentierte Singer/Songwriter auf den großen Bühnen Deutschlands zu überzeugen.
Im Mai 2000 erschien mit "Ancient Spirit" sein Debüt-Album, das sich musikalisch ebenfalls an Roots Reggae orientierte. Hier stachen besonders die live eingespielten Bläsersätze hervor, für die Patrice die Skatalites gewinnen konnte, allen voran den überwältigenden jamaikanischen Tenorsaxophonisten, Cedric Brooks.
Bei seinem zweiten regulären Album "How Do You Call It?" übernahm dann der Afrodeutsche erstmalig die Produktion. Sein Album passte in keine vorgefertigte Schublade. Das ausgereifte Werk eines Multitalents - Sänger, Instrumentalist, Produzent -, eine Melange vieler verschiedener Stile aus dem weiten Repertoire der Black Music. Für "How Do You Call It?" konnte Patrice Musiker von Rang und Namen gewinnen. U.a. die Bassisten Pino Palladino (u.a. George Michael, D'Angelo) und Glenn Browne (u.a. Fugees), der Gitarrist Darryl Thompson (u.a. Peter Tosh) sowie der englische Produzent Camron McVey (u.a. Youssou N'Dour).
Mit "Nile" ist er nun unterwegs in den Gewässern irgendwo zwischen Funk, Blues, Soul, Reggae und Pop. Dabei präsentiert er sich erwachsener denn je, zeigt Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und offenbart eine mitreißende Sensibilität.
"Free Patri-Ation" heißt sein neues, viertes Studio-Album, für das er sich drei Jahre Zeit gelassen hat. Der Titel, ein Wortspiel, erinnert zum einen an die "Repatriation" genannte Rückkehr befreiter Sklaven nach Afrika, wie sie in Sierra Leone, dem Geburtsland seines verstorbenen Vaters, des Regisseurs und Journalisten Gaston Bart-Williams, zur Gründung der Hauptstadt Freetown führte. Für Patrice, den in Kerpen bei Köln geborenen Kosmopoliten, ist Heimkehr aber an keinen bestimmten Ort gebunden: ihm geht es eher um die innere Heimkehr, die Rückbesinnung auf sich selbst, in der für ihn die wahre Befreiung liegt. Es ist die Ruhe nach dem "Soulstorm", den Patrice auf seinem letzten Album "Nile" beschwor.
Heute kann Patrice es sich leisten, einen Star-Produzenten wie Commissioner Gordon zu engagieren, der schon solchen aktuellen Soul-Größen wie Lauryn Hill, Joss-Stone, Alicia Keys und Amy Winehouse zur Seite stand. So kehrt "Free Patri-ation" das Innerste des Sängers nach außen, und stellt dessen geniales Händchen für wunderbare Melodien unter Beweis.



